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Ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt“, sang meine erste spirituelle Lehrerin in ihrer unbekümmerten und fröhlichen Art und hüpfte dabei vor Freude von einem Bein aufs andere. Im vollen Bewusstsein, ein Schöpferwesen zu sein, formulierte Pippi Langstrumpf dadurch nicht nur das Grundwesen der Quantenphysik, sondern auch das Wesen von Freiheit und Lebendigkeit – die juchzenden Grundeigenschaften des Göttlichen, und damit des Yoga. Und sie lässt alle, die auf einer objektiven Konstante in der vergänglichen Welt der Objekte beharren, durch die Betonung des Subjektiven („Ich mach mir die Welt…“) ganz schön dumm dastehen.

Natürlich wollen die dämlichen Erwachsenen ein solches Kind, das offensichtlich „ballaballa“ ist, ins Heim stecken, ohne zu bemerken, dass Pippi Langstrumpf längst im „Ge-heim“ angekommen ist. Dass sie nicht nur eine „alte Schwedin“, sondern auch eine kosmische Meisterin ist, klingt allein schon aus ihrem eigenwilligen Namen heraus: Mit „Pi-p-pi“ trägt sie gleich zweimal die geheimnisvolle und unendliche Kreiszahl „Pi“ in sich, durch deren Kraft sie sich tief im Unendlichen zu verwurzeln vermag. Kein Wunder also, dass ein solch junges Wesen die Weisheits­essenzen des Zeitlosen singend und tanzend in die Welt der „Balla-balla-Menschen“ trägt und diese dadurch erfreut und inspiriert – so auch mich.

Bala sagen sie im Sanskrit übrigens zu unbekümmerten Kindern, aber auch zu Eigenschaften wie Kraft, Stärke und Mut. Krishna wurde manchmal als Kind so gerufen. Aus Ägypten und dem Altertum kennt man das ähnlich klingende Baal als einen Namen für Gott. Und auch im Namen des germanischen Sonnengottes und der Lichtgestalt Balder klingt das alte sanskritische bala noch durch. Ebenso in belle = schön, bell = Glocke, und natürlich im deutschen Wort „Ball“. Die letzteren drei fassen darin das Schöne, das Tönende und die erhabene Gestalt des strahlenden Sonnenballs am Himmelsfirmament zusammen.

Unsere Sonne: Gute Gärtnerin, strahlengekränzte Licht­spenderin, Hoheit des Lebendigen! In ihrer leuchtenden Gestalt darf das unfassbar Göttliche so wunderbar „augen­scheinlich“ werden. Welch ein Geschöpf! Auch Engel Luzifer, der Lichtbringer, trägt ihr Strahlenmeer durch sein Wesen in unseren Weltenraum hinein. Als Morgenstern, als Venus, wofür Luzifer ursprünglich stand, bevor er von religiösen Fundamentalisten zum „gefallenen Teufel“ erklärt wurde, schöpft er das Licht in die inneren wie äußeren Räume der Dunkelheit und ermöglicht uns dadurch sowohl das Licht der Erkenntnis als auch am Glanz und Licht der dinglichen Welt „Gefallen“ zu finden. „Ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt“: So unbekümmert das Pippi-Mantra uns Menschen zum Schöpfungsakt ermächtigt, so sehr beinhaltet es auch eine tiefe Verantwortung: nämlich, nicht über das „Zu-sehr-Gefallen-finden“ an den von uns geschöpften, vergänglichen Dingen kleben zu bleiben, und dadurch möglicherweise selbst zum „gefallenen Engel der Finsternis“, zum „Sisyphus“ zu werden. Oh, liebendes Licht der Sonne!

Es ist das bedingungslos liebende Urlicht Gottes, das uns unentwegt, von Äon zu Äon, von Zeitalter zu Zeitalter, durch unseren Sonnenstern zuteilwird, und uns ermuntert, in unseren Herzen sonnengleich – „ballaballa“ – zu werden.

In einer Meditation hatte ich dazu eine Vision, die ich gerne mit dir teilen möchte: Ich fand mich darin urplötzlich in einem Fußballstadion wieder, und zwar mitten auf dem Platz bei einem Fußballspiel. Und ehe ich zu begreifen vermochte, was geschah, rauschte ein hart geschossener Ball auf mich zu und traf mich mit voller Wucht mitten auf die Brust. Das Leder drang jedoch, wie durch ein Wunder, durch mich hindurch und landete direkt hinter mir im Tor. Toooor! Von den Zuschauer­rängen brach tosender Jubel hervor. Gilt das etwa mir, fragte ich mich verblüfft und fühlte mich für kurze Zeit ein wenig geschmeichelt. Doch dann trat einer der Spieler in unerhörter Art und Weise mit seinem Stollenschuh auf meine Nase, um sich den Schuh zu binden. So eine Frechheit! Und wieso liege ich plötzlich mitten auf dem Rasen und habe einen Fußballschuh im Gesicht, denke ich noch, während mir bereits aus der Tiefe des Bewusstseins dämmerte, dass ich in jenem Moment – ganz körperlos verwandelt – nichts als ein durchsichtiger Strahl von Sonnenlicht sein musste, der mit unzähligen anderen Lichterstrahlen ins Stadion hineinschien. So wie die Sonne an einem gewöhnlichen Fußballnachmittag eben scheint – meist unsichtbar und ganz selbstverständlich, und ohne für eine der Mannschaften oder Spieler im Besonderen Partei zu ergreifen.

Doch in meiner Vision tat sich vor meinem inneren Auge bereits eine neues Geschehen auf: Der Visionsraum wechselte, und ich fand mich jetzt als Teil eines Sonnenlichtbündels irgendwo im Nahen Osten wieder. Die Szenerie ist schrecklich: Krieg, Trümmerhaufen, Tote und Verletzte, und obenauf eine Horde hasserfüllter, schwarz vermummter triumphierender Krieger, die mit ihren Kalaschnikows Siegessalven in den sonnigen Himmel feuern. Ihre Kugeln, ihre Emotionen, ihr Schweißgeruch, ihre Bewegungen und ihr derbes Geschrei durchdrangen uns Lichtbündel mühelos, die wir als solche unsichtbar und hintergründig blieben. Aber ungeachtet der Geschehnisse wärmten, nährten und erleuchteten wir Sonnenstrahlen liebend und ohne Unterscheidung, ohne Bedingung, sowohl die Verletzten – die Leidenden und Toten – als auch die von Hass erfüllten Mörder.

Es ist das bedingungslos liebende Urlicht Gottes, das uns unentwegt, von Äon zu Äon, von Zeitalter zu Zeitalter, durch unseren Sonnenstern zuteilwird, und uns ermuntert, in unseren Herzen sonnengleich – „ballaballa“ – zu werden. Und selbst in der dunklen Nacht spiegelt noch der getreue Mond das Licht der Sonne in die Welt unserer Schatten hinein. Ganz sanft und fahl, fast flüsternd, dass sie aufs Mal nicht zu sehr aufgeschreckt werden. Damit auch sie lernen zu lieben, ohne Unterscheidung. Damit auch sie lernen zu lieben, ohne Berechnung. Damit auch sie nach und nach ins Licht gehen können und sich eine Welt erschaffen, widdewidde wie sie Gott, als dem Lebe- und Liebewesen in uns, gefällt.

Es ist das Los des „L-ichts“, fast „n-ichts“ zu sein, und doch der ganze lebendige Quell des Lebens. Und wenn du mal nicht weiter weißt in deinem Leben, so frag dich doch einfach: „Was würde die Sonne machen?“

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