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Lasst uns mal hinter das Maskentheater schauen, in die Gebärmutter des aktuellen Zeitgeschehens hinein, und erspüren, was daraus geboren werden möchte. Die Geburt von etwas Neuem ist immer der Tod von etwas Altem. Darum ist das Gebären voller Wehen und Schmerzen. Der Geburtskanal ist eng, und durch diese Enge muss der neue Schöpfungstraum hindurch. Es ist gut, wenn uns dabei eine weise Hebamme zur Seite steht. Eine ängstliche Hebamme ist nicht zu gebrauchen und sollte ihre Berufung überdenken. Wenn wir schließlich das Neugeborene herzend in den Armen halten, fühlen wir uns sogleich erlöst und befreit, und dürfen uns erleichtert an den Freudentränen der plötzlichen Weite erquicken.

Erinnern wir uns daran, wie schön doch Weite ist! Die Weite des Himmels, des Meeres, die Weite eines breiten, gemächlich dahinfließenden Flusses in der glitzernden Maisonne. Verengt sich der Fluss, nimmt er an Strömung zu. Verengt er sich weiter, wird er reißend, und es bilden sich Wirbel, Strudel und gefährliche Strömungen. Verengt er sich bis zur Undurchlässigkeit, beginnt er sich aufzustauen. Ebenbürtig verhält es sich mit unseren Gedanken. Lassen wir den gemächlichen Strom der Weite in unserem Denken zu, erleben wir Freiheit, Toleranz, Weisheit, Vertrauen und Liebe. Wir entwickeln ein Gespür für den Raum zwischen den Gedanken. Ein solches Gespür entfaltet nach und nach seine die Gedankenketten sprengende Kraft. Erst jetzt sind wir bereit, in den Erfahrungsraum des Yoga einzutauchen. Verengen wir hingegen den unablässigen Strom der Gedanken zu sehr, kommt es in der Folge unweigerlich zu Turbulenzen bis hin zur Staubildung. Die Enge verdichtet sich schließlich zum lichtundurchlässigen „Damm“, und der Guna des Tamas (Dunkelheit) entfaltet seine überbordende Macht. An diesem „tam-asigen“ Ort fühlt sich der Mensch „ver-dammt“, und sein quälender Durst nach Erlösung wird von den dort hausenden „Däm-onen“ allein aus den verdorbenen Wassern der „Angustus-Quelle“ gestillt. Angustus ist der lateinische Ursprung für das Wort „Angst“ und bedeutet „Enge“, „würgen“, „zwingen“, und was du auch immer damit assoziieren magst. Deshalb, so sagt man, ist Angst kein guter Ratgeber.

Erst kam das Virus in unser Leben, aus dem Virus die Angst, und daraus, angefeuert von ratgebenden Angsteinflößern, die Gefangenschaft. Wie kann ein Virus, über das immer mehr Experten sich zu sagen trauen, dass es nicht gefährlicher sei als gewöhnliche, bekannte Viren, eine solche weltumspannende Massenpanik auslösen und einen Großteil der Menschen in einen wahnhaft psychotischen Zustand versetzen?

Dies ist nur möglich, weil es auf samskarisch fruchtbaren Boden fällt, sprich, die Zeit dafür reif ist, alte kollektive Karmas anzuschauen, aufzulösen, um befreit von Altlasten einen neuen Schöpfungstraum zu gebären. Im Bilde gesprochen, ist das Virus der Überträger fremder Programme. Je mehr ein Mensch von fremden Programmen besetzt ist, desto größer ist die Angst vor dem Virus, das uns im Spiegelbilde lediglich vorhält, wo wir in unserem innersten atmischen Wesen noch überlagert, verschleiert, verlarvt, sprich noch nicht entwickelt und frei sind. Darum wird das Thema Freiheit versus Gefangenschaft in den nächsten Jahren für jeden von uns von zentraler Bedeutung sein.

So können wir uns die Fragen stellen, wem oder was gegenüber bin ich hörig? Auf was höre ich? Auf die Stimme meines Herzens, oder etwa auf fremde Stimmen? Nach was richte ich mich? Bin ich wirklich frei davon, täglich aus undurchsichtigen Quellen medial „nach-gerichtet“ zu werden? Trage ich noch „Meinungen“ in mir, oder gelingt es mir schon, eigenständige, freie Gedanken zu entwickeln?

Um all dies zu erforschen, hat der große Weltenträumer als kosmischer „Mal-er“, als „Pain-ter“ die Corona, die „Krone“ in sein Gemälde, in sein Krankheitsbild mit hineingemalt, damit wir im aufkeimenden Mal-um (lat. = Krankheit), und jeder für sich in seinem Pain (engl. = Schmerz), erkennen können, was ihm oder ihr noch zur Königs- bzw. Königinnenwürde fehlt, um ein wirklich selbstbestimmtes Leben in verwirklichter Freiheit zu führen und darin „gekrönt“ zu sein. Denn was ist das denn für eine Freiheit, die wir uns in den letzten dreihundert Jahren mühevoll errungen haben, und die binnen vierer Wochen quasi durch einen „titanischen Staatsstreich“ annulliert werden konnte? Wirkliche Freiheit kann nicht politisch erkämpft, sondern allein spirituell enthüllt werden. Eine solche innere Freiheit ist in ihrer Würde „unantastbar“. Denn es ist nicht die Freiheit des Ich, sondern die Freiheit vom Ich, um die es bei den Corona-Filmfestspielen an innerer Entwicklung geht.

Das Drehbuch für diesen Film, der sich in uns Menschen nun abspult, ist übrigens so alt wie die Menschheitsgeschichte selbst. Die alten Griechen trugen Sorge dafür, dass seine Handlung unserer Zeit als „samskarischer Archetypus“ überliefert ist. Es ist die Geschichte von Korone und Apollon, dem sonnengleichen Gotte. „A-pollon“, der „Nicht-Viele“, also non-duale Aspekt des Allgöttlichen (Brahman), zeugt der schönen Jungfrau Korone einen Sohn, und sie ist schwanger. Korone geht jedoch heimlich mit Ischys, dem Starken, dem Mächtigen, einen Bund ein. Der Name „I-schys“ zeugt vom Wesen unseres „Ich“, das wegen seiner Sterblichkeit von einer Wolke der Angst, also von „Schiss“, durchtränkt ist und diese durch Macht und scheinbare Stärke kompensiert. Das Ich als Träger des empirischen Verstandesgeistes greift in Gestalt des Ischys eigenmächtig nach der Krone (Korone) und krönt sich ohne Legitimation zum „falschen König“. Doch nur, wer mit seinem Bewusstsein im apollonischen Sein (Brahman) gründet, ist bereit, initiatisch die wahre, innere Königswürde zu empfangen und zu tragen.

Ischys Anmaßung bleibt nicht lange ungesühnt. Apollon, als das non-duale Prinzip wahren Königtums, schickt seine Schwester Artemis (Durga), die Mondene, die Göttin der Jagd, aber auch der Geburt und damit der Hebammen, mit silbernem Pfeil und Bogen, um den Frevel zu rächen, und wohl auch, um bei einer bevorstehenden Geburt behilflich zu sein. Nachdem Artemis ihr blutiges Werk vollbracht hat, erzählt uns der überlieferte Mythos: „Es muss eine verheerende Seuche gewesen sein, und die Scheiterhaufen brannten in großer Zahl …“. Auch Korone ist unter den Opfern. Doch bevor sie verbrennt, entnehmen Apollon/Artemis ihrem Leichnam Apollons Sohn, der den Namen As­klepios (Äskulap) trägt, und dem es bestimmt ist, zum größten Heiler aller Zeiten aufzusteigen.

So dürfen wir uns nun auf den aus dem apollonischen Sein gezeugten Äskulap freuen. Auf jenen Geist, der in den nächsten Jahren aus der gegenwärtigen Krise unter Schmerzen geboren wird, und der ein neues Bewusstsein von Heilung in die Welt zeugt. Denn wirkliche Heilung kann nur aus bedingungsloser innerer Freiheit entstehen.

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