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Zeitgeschehen

Der „Great Reset“

Als Gunas werden in der heiligen Überlieferung der Upanishaden die drei Schicksalsfäden bezeichnet, aus denen die gesamte Schöpfung gesponnen ist. Also auch du und ich, was unsere drei Körper (physisch, astral, kausal) anbelangt, die sich aus insgesamt fünf Hüllen (Koshas) zusammensetzen und damit den reinen Atman (die All-Seele) in ein Kleid hüllen. Dieses aus den Gunas gewobene Gewand hat die Fähigkeit, sich zu bewegen, zu handeln, sinnlich wahrzunehmen, sich fortzupflanzen, zu fühlen und zu denken etc. Mit Hilfe dieses komplexen „Terranauten-Anzugs“ ist der Atman im Falle des Erdenmenschen befähigt, irdische Erfahrungen zu machen und in erdenspezifische Erlebniswelten einzutauchen.

„Guna“ bedeutet Faden, Strang, Eigenschaft. Vom Sanskritwort Guna könnte auch das Wort Gene (DNA-Strang) abgeleitet sein. In den Genen ist das in unzähligen Inkarnationen erworbene Karma kodiert. Sie dienen als karmischer Bauplan unseres Körpers sowie unseres geistig-psychischen Instruments, des Antahkarana. Aus den drei Gunas (Sattva, Rajas und Tamas) als den drei Webfäden der Schöpfung (Prakriti) werden in unendlich vielen Kombinationen Welten, Universen und Wesen erschaffen. So auch die Welten der Götter und Devas, die Welten der Asuras, der Lichtlosen und Dämonen, und die der Menschen. Sattva ist das Prinzip des Reinen, Lichten, Leichten, Tugendhaften, Fried- und Weisheitsvollen. Dieses Prinzip ist in den Deva-Welten vorherrschend. In Rajas hingegen drückt sich der Wille zu Aktivität, Handlung, Bewegung, Leidenschaft, Aggression, Gier, Wettbewerb, Egoismus und Projektionskraft aus. Rajas ist in den schaffigen, umtriebigen Menschenwelten die dominante Kraft. In Tamas spiegeln sich Dunkelheit, Schwere, Trägheit, Unwissenheit, Destruktivität, Apathie, Grausamkeit und das Leben in einer vollständigen Täuschung bezüglich dessen, wer wir in unserem Wesen wirklich sind, wider. In asurischen und dämonischen Welten sind tamasische Kräfte vorherrschend. Aber auch die Menschenwelt hat sich in den letzten fünftausend Jahren immer mehr in tamasische Strukturen verstrickt. Ein Mensch, in dem Tamas-Guna vorherrscht, glaubt z.B., es existiere nichts als die materielle Welt.

Da diese materialistische Weltauffassung die mehrheitliche Bewusstseinsposition unseres (Noch-)Zeitgeistes ist und all jener, die diesen maßgeblich prägen und/oder daran festgekettet sind, können wir ungefähr das Ausmaß und das Dilemma erkennen, in dem die Menschheit gegenwärtig gefangen ist. Der Mensch unserer Zeit wird übermächtig von rajasischen und tamasischen Kräften geritten. Er ist häufig gefangen in einem Teufelskreislauf aus egoistischen Handlungen und Haltungen, die der Ignoranz und Unwissenheit entspringen und von Angst und Gier getrieben sind. Das Feststecken in diesen Schwingungsfeldern macht ihn überdies besonders empfänglich für manipulative Einflüsse aus den oben genannten asurisch/dämonischen Dunkel-Welten. Derer gibt es vielzählige im multidimensionalen fein- und grobstofflichen Universum. Ideen, Geisteshaltungen und Interessen aus solchen Welten können durchaus die Geschicke unserer Welt mit beeinflussen.

Doch die Gunas sind nicht starr. Sie können kraft unseres Willens jederzeit Veränderung erfahren, indem wir uns am eigenen schöpferischen Schopfe packend aus den Gruben verkrusteter Gewohnheiten befreien. Ziel des Yoga ist es, durch einen entsprechenden Lebenswandel, durch körperliche und psychische Reinigung, durch einen spirituell ausgerichteten Fokus, den lichten, am göttlichen Leben orientierten Sattva-Guna zu fördern und zu nähren. Sattvische Kräfte sind notwendig, um die anderen Gunas zu balancieren, indem sie ihnen das rechte Maß und Orientierung geben. Durch Sattva erleben wir uns wieder als beseelte, göttliche Wesen, die in der Genügsamkeit anandischer Wonne ein pures, authentisches und einfaches Leben führen – ohne zu viel künstlichen, technologisch-kontrollierenden Überbau und Krimskrams. Ein reicher Sattva-Guna beschenkt uns mit einer in Weisheit gegründeten Unterscheidungskraft (Viveka), die die Voraussetzung dafür ist, dass wir uns aus den unzähligen Konflikten, Verstrickungen und Krisen befreien können.

Sattva-Guna ist in den letzten Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte sehr vernachlässigt worden: Der Zustand unseres Planeten, der Raubbau an der heiligen Natur und ihren Wesen, die Vergiftung und Zerstörung unserer Lebensbedingungen, spricht Bände. Ein Wiedererwachen des so lange „liegengebliebenen“ sattvischen Lebens ist längst überfällig und wird als Zünglein an der Waage darüber entscheiden, welche Entwicklung die Gesamtmenschheit in den nächsten Jahren nimmt.

Dies ist aus meiner Anschauung der einzige und wahre „Great Reset“, den Mutter Erde und die Menschheit in den nächsten Jahren gemeinsam erleben werden. Alle anderen, asurisch inspirierten, transhumanistischen Pläne zu diesem Thema, die seit geraumer Zeit massiv in der Öffentlichkeit propagiert werden, sind nichts als falsche Vorstellungen und Fantasien aspiritueller, geistig fehlgeleiteter Personen. Diese tragen durch ihr Handeln und ihre kranke Geisteshaltung zudem maßgeblich Verantwortung an dem leidvollen Zustand unserer Welt und werden krachend scheitern.

Für diesen großen Wandel wird es jedoch einer Art meta­physischen „Polsprungs“ bedürfen, der unsere gewohnte Welten-Dualität (Maya) bis ins Mark erschüttert, dafür aber den Wesen eine grundlegende Neuorientierung bietet, indem er den Kompass des Herzens neu ausrichten wird.

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