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Zeitgeschehen

Das Kreuz mit der Technik

☥ Der Tropfen des TAO ☥
So will ich einmal das Wort betrachten, also das Zeugungsinstrument, das dieser Geist als magisches Mittel für seinen Schöpfungstraum so machtvoll zu gebrauchen versteht: T E C H N I K. Vielleicht muss dieser Klang, der griechisch teknikós = die Kunst, das Künstliche betreffend, und lateinisch technica = Kunstwesen, bedeutet, erst einmal gründlich auf der Zunge geschmeckt und eingespeichelt werden, um auch das Bittere, das er ohne Zweifel in sich trägt, zu offenbaren. Und so enthüllt mir das Wort TECHNIK lautmalerisch über TE-CHNIK einen T-KNICK. Was aber könnte im Sprachbilde eines „T-Knicks“, also in einem geknickten T, verborgen sein?

Das lateinische T leitet sich über den griechischen Buchstaben TAU vom letzten Buchstaben des hebräischen Alphabets, dem TAW, ab. Das T bzw. TAU ist aber nicht nur ein Buchstabe, sondern ein uraltes Symbol für das Kreuz, das so genannte „Taukreuz“ T. Dessen T-Form ist eine Abwandlung des ägyptischen Ankh, welches seinen Ursprung in der „alten Welt“ der untergegangenen atlantischen Menschheit hat und dort als Zeichen des „TAO“ galt. Das T als Taukreuz, das ägyptische Ankh  und das atlantische Tao-Zeichen  sind der symbolische Ausdruck ein und des­selben lebendigen Gottesbewusstseins vom alles durchdringenden, ewigen TAO. Dieses bildet spirituell empfunden die Klangwurzel sowohl für das chinesische DAO, das indische DEVA, das griechische THEÓS, als auch für das lateinische DEO bzw. DEUS und das deutsche TAU. In all diesen vibriert die Klangschwingung des universellen Bewusstseins vom einen, höchsten Selbst.

Im Symbol des T als Zeichen des TAO findet die Kreuzung des vertikal himmelstrebenden männlichen Kraftstroms mit dem horizontal erdstrebenden weiblichen Kraftstrom statt. In der Mitte des Kreuzungspunktes kommt es zur Vereinigung der polaren Kräfte, und es entsteht das heilige Gleichgewicht vollkommener Ganzheit. Hier offenbart sich der Geist Gottes in seiner ganzen Reinheit als Essenz, als Tropfen des TAO, als „TAU-Tropfen“ im „tau-enden“ Verschmelzen der individuellen Seele mit dem universellen Bewusstsein, der unio mystica von Shakti und Shiva, von Werden und Sein. Im Yoga ist uns dieser mystische Tautropfen als Mahabindu bekannt. Im Lateinischen sagt man zu Tau und Tautropfen ros, und zu Kreuz crux. Deswegen ist das Taukreuz bzw. Tao-Zeichen auch das ros-crux, das mit den Rosenblüten bedingungsloser Liebe umwundene Kreuz. Denn wir bedürfen eines freien, ungeknickten Zugangs zum Füllestrom des unendlichen TAO, um die Rosen unseres seelischen Paradiesgartens mit den heilsamen Tautropfen ewigen Lebens und Liebens gießen zu können.

Im Geist der TE-CHNIK als T-KNICK hingegen ist der himmelstrebende vertikale Kräftestrom abgeknickt und blockiert. Der ursprünglich harmonische Kräftebund, der sich im Urbilde des Tao-Zeichens spiegelt, vermag jetzt nur noch einseitig auf horizontaler Ebene zu wirken. Dort herrscht die materielle, die gewebebildende Kraft vor, die allein jedoch in der stofflichen Weltennatur der Maya gefangen bleibt.

☥ Der technische Himmelssturm ☥
Da das vertikale – dem Männlichen verwandte – Prinzip trotzdem, als Blaupause sozusagen, seine Kraft ausbilden möchte, versucht es kompensatorisch die Verbindung zum All oder Himmel materiell „nachzubauen“. Es bedient sich hierbei des technischen Verstandes, der eine typisch männliche Qualität ist. Das männliche Prinzip unserer Zeit trachtet deshalb danach, über technische Mittel in den Himmel – also zum Selbst – zu gelangen. Dies spiegelt sich sowohl im Hightech-Wunsch wider, durch Raumfahrt den Weltraum (Himmel) zu erobern, als auch im naturwissenschaftlichen, medizinischen Verlangen nach der Unsterblichkeit (das ewige Leben). Dieser mayischen Projektion wird alles unterworfen, wird alles, unter Ausbeutung ungeheurer Ressourcen, dienstbar gemacht. Der Mensch hingegen bleibt in seinem inneren Wesen unterernährt und unentwickelt zurück.

Derweil ruht der Yogi voller Heiterkeit in tiefer Stille an einem einfachen Ort und benötigt, um Himmel, All und ewiges Leben im erleuchteten „Bewusst-Sein“ des TAO zu verwirklichen, nicht mehr als zwei einfache mantra-magische Worte: „SO HAM“ – „DAS bin ich“.

Der TAU-KNICK als TE-CHNIK unterdrückt in der Tiefe unseres Herzens den stillen Strom des TAO. Im Ausdruck der Technik entlädt sich darin eine Zwangsneurose. Alle Eigenschaften unseres im Inneren vollkommenen Wesens werden im Banne der Neurose Stück für Stück von uns abgetrennt und technisch materiell als künstliche Apparate, als technische Erfindungen – als Prothesen sozusagen – nachgebaut. In diesem „Outsourcing“ unserer Wesensteile versuchen wir dann Erlösung zu finden. Vergebens. Denn das Kreuz in uns ist abgeknickt. Und statt Tautropfen rinnen Tränen des Leidens von ihm herab. Das heilige Rosenkreuz hat sich in ein krankes „Neurosenkreuz“ verwandelt.

Und so wandelt der technische Mensch ganz „geknickt“ durchs Leben. Sein Kopf hängt, zur Aufrichtung nicht mehr wirklich fähig, im Genick nach vorne gebeugt, herab wie bei einem Kran – ganz „kran-k“ –, denn er starrt unentwegt hypnotisiert auf das Smartphone in seiner Hand, das ihn längst in Beugehaft genommen hat. In dieser geknickten Lebenshaltung, in diesem Haltungsschaden eines geknickten Genicks oder Nackens, offenbart der Geist der Technik auch seinen „knick-rigen“ Charakter, der ihn überdies als Geizigen, als „Geizhals“ entlarvt. Denn er spürt, dass ihm in seiner Getrenntheit die unendliche, schöpferische Fülle des om purnam verwehrt bleibt. Deshalb ist er darauf versessen, männlich-rational vorzugehen und darüber die Rationalisierung und Ausbeutung der weiblichen Schöpfung voranzutreiben. Auch Ratio­nalisierung ist eine Erfindung des technischen Geistes.

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